Die Summe
Die Summe (2019 / 2021)
Bienale ZeitRäume Basel
10.-19.9. 2019 und 8.-19.9.2021
Orte : Theaterplatz, Elisabethenanlage, Innenhof Kunstmuseum, Rheinsprung, Rheinufer, Münsterplatz, Bahnhof SBB, Solitudepark, Kirchplatz St. Clara, Andreasplatz, Rümelinsplatz, Garten des Staatsarchiv, Rappazhof, Rathaus Innenhof, Markthalle, Pauluskirche
Komposition - Marianne Schuppe
mit : Chor Gymnasium Oberwil, Chor Gymnasium Leonhard, Cantate Chor, Chor Kultur&Volk, Fassnachtsclique Seibi Mysli, Ensemble Millefleurs, ChorBasel, kor., Sündicats, Junger Kammerchor Basel, pour Choeur, Jugendchor A’Tempo!, Chor Vivo, Neuer Basler Kammerchor, Alpha Singers Basiliensis, Musikklasse des Wirtschaftsgymnasiums, Musikklase des Gymnasiums Kirschgarten
Für die Basler Biennale ZeitRäume entstand 2019 das Stimmenprojekt Die Summe. An zehn öffentlichen Orten in Basel versammelten sich in einem Zeitraum von 10 Tage zu unterschiedlichen Tageszeiten größere und kleinere Menschengruppen. Sie bildeten jeweils 9 Minuten lang einen klingenden Corpus, indem sie einen einzigen Ton summten, der sich als leise tragende Klangfläche mit den Geräuschen der Stadt mischte. Die Summe dieser 10 Töne ergab eine Melodie, die sich als fluide Skulptur punktuell durch die Stadt Basel zog.
The voice project Die Summe was created for the Basel Biennale ZeitRäume in 2019. Over a period of 10 days large and small groups of people gathered in ten public spaces in Basel at different times of day. They formed a sounding corpus for 9 minutes by humming a single note, blending into the sounds of the city as a quietly carrying sound surface. The sum of these 10 tones resulted in a melody that travelled through the city of Basel as an ephemeral sculpture.
Insgesamt waren mehrere hundert Menschen an dieser Melodie beteiligt. Basler Chöre und Ensembles, Schülerinnen und Schüler, eine Fassnachtsclique, Museumsangestellte, Menschen jeden Alters und Passant:innen.
In total, several hundred people participated in this melody. Basel choirs and ensembles, students, a Fassnacht clique, museum employees, people of all ages and passers-by.
9 Minuten lang lag der Ton in der Luft und verschwand dann so plötzlich wie er aufgetaucht war. Ein gemeinschaftlicher Akt, der sich vielen Beteiligten so stark einprägte, daß Die Summe an der nächsten Biennale 2021 an weiteren Orten und mit einer integralen 90minütigen Aufführung der Melodie in der Basler Pauluskirche fortgesetzt wurde.
The sound lingered in the air for 9 minutes and then disappeared as suddenly as it had appeared. A collaborative act that was so memorable for many of those involved that Die Summe was continued at the next Biennale in 2021 in other locations and with an integral 90-minute performance of the melody in St Paul’s Church in Basel.
Als eine Praxis des “scaling down” lädt Die Summe mitten in der Stadt zu einer musikalischen Erfahrung ein, die mit einfachsten Mitteln realisiert werden kann und einen Gegenpol zum aufwändigen Konzertbetrieb markiert.
As a practice of ‘scaling down’ offers Die Summe a musical experience that can be realised with the simplest of means and marks an antithesis to the elaborate concert business.
Partitur
Laconnex series
Laconnex Series for 7 instrumentalists and 2 voices was created on commission by Insub Ensemble, Geneve in 2022 as part of the field project Insub.polytopies 1.
Insub.polytopies is an encounter of a musician collective and farmland looking into possible relationships musicians can draw with land and the potential overlapping of their specific fields as new ways of making music.
Ensemble : Christophe Berthet, Cyril Bondi, Anouck Genthon, Antoine Läng, Rodolphe Loubatière, Violeta Motta, Raphaël Ortis, Laurent « d’incise » Peter, guest : Marianne Schuppe
Laconnex Series took place in the night of June 20 until early morning June 21st 2022. In the hours between 7pm and 3am a single note was being played for 9 minutes intently balancing the volume with the surrounding sounds. As the environment was calming down with night falling in, the volume of the ensemble was accordingly getting softer towards the edge of audibility. Over the 8 hours of the performance a melody with long rests unfolded slowly.
The performance of Laconnex Series was released with insub records.
Laconnex series for insub ensemble
In 9 parts played between 7pm and 3am. Each part is based on a single pitch. Players choose a place in the field* for each part in ear-distance to each other. Maybe no speaking between parts in the field. Each part consists of a sustaining soundline on one pitch with a duration of 9 minutes in unison.
Any player may start. Any octaves may be chosen. Durations of individual sounds are long or rather long. Dynamics are aligned and balanced with the sound-level in the air and around the field, becoming softer to very soft when local sounds ease. Pauses are possible. Ending after 9 minutes without sharp cut.
Voices choose vowels and consonants interacting and merging with instrumental sounds, preferably between the vowels a, e, i, o, u or consonants as m, n , l. Instruments without pitch-indication play white noise sounds. In 2 of the 9 parts - chosen by the 2 vocalists - voices add a texture within the instrumental sounds on the edge of understandability by continuos speaking in low dynamics and fluent speed. Text may be an instant translation or description of local sounds or situation or whatever comes to mind.
All playing is embedding and superimposing the local sounds, covering and exposing them, opaque and transparent at the same time.
part I II III IV V VI VII VIII IX begin 7:00pm 7:50pm 8:30pm 9:25pm 10:05pm 11:10am 0:05am 1:15am 1.55am pitch b e flat b flat d f e f b g
If necessary times may be adjusted to weather circumstances or any other rural or urban outdoor-situation
Laconnex Series für 7 Instrumentalist:innen und zwei Stimmen entstand im Auftrag des Genfer
Ensembles Insub, 2022 als Teil des Feldprojekts
Insub.polytopies 1.
Im Projekt Insub.polytopies werden Beziehungen zwischen den Musiker:innen und einem Feld als potentielle Wege des Musikmachens erkundet.
Ensemble : Christophe Berthet, Cyril Bondi, Anouck Genthon, Antoine Läng, Rodolphe Loubatière, Violeta Motta, Raphaël Ortis, Laurent « d’incise » Peter, Gast : Marianne Schuppe
Laconnex-Series fand in der Nacht vom 20. Juni bis zum frühen Morgen des 21.Juni 2022 statt. In den Stunden zwischen 19 Uhr und 3 Uhr morgens wurde jeweils ein Klang 9 Minuten lang gespielt. Dynamisch war dieser Klang an der Umgebung zu orientieren, so daß mit zunehmender Dunkelheit die Lautstärke bis an die Grenze der Hörbarkeit zurückging. Über den Zeitraum von 8 Stunden entstand eine langsame Melodie mit langen Unterbrechungen.
Laconnex Series ist beim Label Insub Records erschienen.
Aufbruch nach Prrr
Ein Gesangsprojekt mit Schülerinnen des Gymnasiums Oberwil
Aufführungen am 1. März im Gymnasium Oberwil und am 2. März 2018 im Gare du Nord, Basel
Konzeption und Probenleitung : Marianne Schuppe
Stimmen : Léa Angerer, Levinia Dieterle-Schneider, Laura Mächler, Aviva Rosenbaum, Alexa Rosenthaler, Kimberley Rahn, Sabrina Strösslin, Joana Trosi, Emma Wilson
Saxophone : Remo Schnyder und Tobias Huber
Dauer : 50 Minuten
Mit Spaß und Skepsis machen sich neun junge Frauen unter der Leitung von Marianne Schuppe ins Unbekannte an den Rändern der Wörter auf. Abreiseort sind Chorprojekt und Gesangsunterricht, wie sie es aus der Schule kennen. Jetzt aber geht es woanders hin, jetzt werden Fragen gestellt. Jetzt geht es dahin, wo wir noch nicht wissen, was wir singen werden und selbst Entscheidungen treffen.
Die neun jungen Frauen sind abfahrtsbereit, sitzen - sagen wir - im Warteraum eines Bahnhofs. Sie stellen Fragen, sie tauchen in wundersame Klangfelder, sie wissen nicht weiter, es bleiben Leerstellen und es entstehen Antworten, neue Ordnungen und Inseln, im Chor, zu dritt, zu zweit, und manchmal sogar ganz allein. Begleitet werden sie von zwei Saxophonen und ihren eigenen Sprech- und Singstimmen.
Aufbruch nach Prrrr
Ich war noch nicht überall, aber es steht definitiv auf meiner Liste. Als dann aber der Aufbruch nach Prrrr immer näher kam, war ich mehrmals kurz davor, dieses Ziel von meiner Liste zu streichen. Ich wusste nicht, was mich dort und auf dieser Reise erwarten würde. Als unsere Reiseführerin hatte Marianne Schuppe keine leichte Aufgabe. Sie wollte uns dieses Abenteuer schmackhaft machen, dies aber auf eine ganz eigene Art. Frau Schuppe legte uns keinen ganzen Plan vor, sie gab uns lediglich Abfahrtszeiten und eine Richtung. Damit konnte ich zu Beginn nichts anfangen, meine Neugier wurde aber geweckt. Ich war sehr skeptisch, doch schliesslich sagte ich ja zu diesem Abenteuer. Nicht nur ich hatte mich mit dieser Reise auseinander gesetzt. Sechs Mädchen die ich aus den Gesangsstunden am Gymnasium Oberwil kannte, sassen mit mir im selben Boot und mit ihnen noch zwei Saxophonisten. Mit vielen Fragen im Gepäck machten wir uns also auf die Reise und betraten Neuland. Doch was wäre eine Reise ohne die Reiseführerin? So machte sich auch Marianne Schuppe mit uns auf den Weg. Im Warteraum lasen wir alle in unseren Lieblingsbüchern, es herrschte eine wunderschöne geheimnisvolle Stimmung. Neue und für mich unbekannte Klänge ergaben sich aus unseren Stimmen. Die Saxophone bildeten einen neuen Boden, den wir mit unseren Stimmen zu erforschen schienen. So wagten es die Ersten den Warteraum zu verlassen und bewegten sich so mit verschiedenen Worten auf neues Terrain, bis sich zum Schluss jeder von uns ihnen anschloss. Auch hier stützten uns die Saxophone. Unsere Wörter waren wie kleine Inseln auf dem Meer. Diese Inseln konnten nicht untergehen, weil sie von den starken Tönen der Saxophone gehalten wurden. Das Sprechen verwandelte sich in das Singen und das Singen verwandelte sich in das singende Lesen, bis wir uns aus unseren gewählten Worten unsere eigene Insel bauten. Als wir uns dann wieder zurück im Warteraum befanden, lasen wir nicht aus unseren Büchern vor, wir sangen daraus vor. Gemeinsam waren wir auf einer unvergesslichen Reise, die viel Konzentration und Präsenz erforderte. Ich bin mir nicht sicher, ob wir Prrrr wirklich gefunden haben und somit an unser Reiseziel gekommen sind. Dies wird wohl eine Frage sein, die jeder für sich selbst beantworten sollte. Für mich war Prrrr das Einlassen auf etwas Neues, auf ein Abenteuer. Für mich war diese Reise das Ziel und die neu gewonnene Erfahrung der Erfolg.
Text : Joana Trosi, Gymnasium Oberwil Klasse 3B, für die Schulzeitung Blickfeld
Aufbruch nach prrrr
A voice project with students from the Oberwil high school performed March 2, 2018 in Gare du Nord Nasel
Composed and directed by Marianne Schuppe
Voices : Léa Angerer, Levinia Dieterle-Schneider, Laura Mächler, Aviva Rosenbaum, Alexa Rosenthaler, Kimberley Rahn, Sabrina Strösslin, Joana Trosi, Emma Wilson
Saxophones : Remo Schnyder and Tobias Huber
Duration : 50 minutes
With enthusiasm and scepticism, nine young women set off into the unknown at the edge of words. The departure point is a choir project and singing lessons, as they know it from school. But now we are going somewhere else, now we are asking questions. Now we are going somewhere where we don’t yet know what we are going to sing and are making our own decisions. The nine young women are ready to start, sitting - shall we say - in the waiting room of a railway station. They ask questions, they dive into wondrous fields of sound, they don’t know how to continue, facing gaps and answers. New orders and islands emerge, in the choir, in threes, in twos, and sometimes even completely alone. Accompanied by two saxophones and their own speaking and singing voices they encounter the edges of words.
Fotos : Ute Schendel