Colline sur livre is an ongoing work to observe and suss the intersections, overlays and dimensions between words and music on the basis of the growing text-corpus colline sur livre. This process is facilitated by a lute and cableless mini-set of electronics, a device that I call e-pont, because it serves as a bridge between words and music.

The recordings uploaded here document this process and give an insight into the work. They have the character of field-recordings and do not claim to be finished pieces. Please listen with headphones. Occasionally my reflections are supported by a thumbnail scetch to further my lines of thought. Sometimes they can be seen here as well. Recent parts of colline sur livre have been published as a book by Edition Howeg, Zürich in November 2023. If you want to order the book or if you are interested in a conversation about this work, just write me.

Colline sur livre 9.1.2025
Es gibt die Vorstellung, daß Wörter ein Kleid für die Stimme seien. Vielleicht stimmt es. Aber dies Kleid ist transparent.

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Some people say that words are a garment for voice. Maybe they are. But this garment is transparent.
Colline sur livre 18.11.2024
18 11 24
Colline sur livre 15.10.2024
Colline sur livre 3.9.2024
Colline sur livre 14.8.2024
14 08 24
Colline sur livre 13.8.2024
Colline sur livre 31.12.2023
Voices heard from a distance attract my attention. These voices and words have an elusive,
incidental presence, I may just catch their surface, an outline or a syllable in the air.
I will only partly understand them as there will be other sounds in the space between us.
Instead I will perceive texture, melody, rhythm. Sometimes it is not clear, which is fore-,
which is middle-, which is background as they are shifting. Even when words are almost
disappearing beyond understanding, they are shimmering through the surface and have an
effect from below.

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Von weitem, aus einem Abstand gehörte Stimmen ziehen meine Aufmerksamkeit an. Die Präsenz
dieser Stimmen und Wörter ist flüchtig und beiläufig. Ich werde nur ihre Oberfläche,
eine Kontur, ein Wort, eine Silbe in der Luft auffangen. Ich werde sie nur teilweise verstehen,
weil es andere Geräusche im Raum zwischen uns gibt. Stattdessen nehme ich Textur, Melodie
und Rhythmus wahr. Manchmal ist nicht klar, was Vorder-, was Mittel-, was Hintergrund ist,
weil diese sich verschieben. Selbst wenn die Wörter fast verschwinden und ich sie nicht
mehr verstehe, schimmern und wirken sie aus dem Hintergrund oder unter der Oberfläche.
Colline sur livre 15.08.2023
Colline sur livre 31.07.2023
31 12 22
Echo auf ein Echo auf ein Echo

Farne, Fenster
Moos; nicht leutselig
Oolong – sacht gezogen
Wehrmut nicht vergangen -
Nebenfenster offen
Colline sur livre 31.12.2022
10 22 1
Wörter – vereinzelt oder in Gruppen sind Spuren von Bewegungen.
Zwischen ihnen liegt die Zeit des nicht-Schreibens. Fermaten von unterschiedlicher Dauer und
Konsistenz. Sie verbinden das letzte Wort mit dem nächsten, lassen Abfolgen entstehen,
bieten mögliche Zusammenhänge an oder lassen sie offen.

Lesbarkeit, Verständlichkeit und Verstehen sind nichts Feststehendes.
Sie ergeben und wandeln sich aus einer Summe von Momenten, Erfahrenem und Erinnertem oder einfach
daraus, wie klein oder groß ein Wort vor mir steht und ob ich es lese oder höre.

Verstehen könnte ein Gehen sein, in dem ich hin und wieder zum Stehen, zu einer Fermate komme, um
erneut loszugehen. Ich kann es nicht fest-stellen, aber als ein Resonieren wahrnehmen. Lücken,
Unlesbarkeiten, Unverständlichkeiten bleiben bestehen, überlagern und durchdringen sich.

Die Wortspuren in diesem Brief meiner sehr alten Mutter sind in meinen Augen eigentlich Farne.
Manche davon wachsen in der Luft selbst, andere über die Ränder hinaus.

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Words – standing alone or in groups are traces of movements.
Not-writing lies as a space between them. Fermatas of different durations and consistencies.
Linking the last word with the next, allowing sequencies and correlations or leaving them open.

Readability, intelligibility and understanding are neither fixed nor established.
They derive and transform themselves from a sum of moments, experiences and memories
or simply from how small or big a word is in it’s appearance and if I meet it by sight or ear.

Understanding and recognition might come about through a way of walking,
with moments of standing, arriving at a fermata and going off again.
I cannot grasp understanding, but I can perceive a corresponding resonance.
Gaps and unlegibilities remain, superimposing and percolating each other.

The traces of words in this letter of my very aged mother are - in my eyes – virtually ferns.
Some growing in air itself, others beyond the rims.
Colline sur livre 15.10.2022 (please adjust volume before listening)
I remember a situation in a restaurant in Tokyo. A little while after entering I noticed
a singing voice, moving up and down in fluctuating and repetitive melodies. Delicately
it stood out from the sound level of the speaking voices in the room, neither covering
or disturbing them, nor drowning in it. When I looked around, where this voice came
from, I discovered a woman sitting in a centered spot with her back to the wall facing
into the room. Waiters passing by were leaving slips of paper with her. I learned that
the woman was singing messages to the open kitchen situated to her left. Her melodies
were transferring the meal-orders, which she received from the waiters, steadfast and
unstressed in midst the busy hour and people coming and going. In spite of the noise
level in the room the melodies apparently found their way into the kitchen without the
singer asking for special attention.

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Eine Situation in einem Restaurant in Tokyo fällt mir ein. Bald nach meinem Eintreten
bemerkte ich eine Singstimme, deren Melodie sich in Variationen und Wiederholungen
auf- und ab bewegte. Leicht hob sie sich vom Geräuschpegel der Sprechstimmen im Raum
ab, ohne sie zu überdecken, zu stören oder in ihnen unterzugehen. Als ich mich umschaute,
entdeckte ich, daß die Stimme von einer Frau kam, die mit dem Rücken zur Wand und dem
Gesicht in den Raum gerichtet unentwegt und selbstverständlich sang. Die vorbeiflitzenden
Kellnerinnen und Kellner steckten ihr kleine Zettel zu. Essensbestellungen, wie ich erfuhr,
die sie mit ihrem Gesang in die links von ihr liegende offene Küche sendete. Trotz des
Geräuschpegels im Raum fanden die Melodien offenbar ihren Weg in die Küche ohne daß
die Sängerin um besondere Aufmerksamkeit gebeten hätte.
Colline sur livre 28.7.2022 (please adjust volume before listening)
3 22 1
Sprechen und singen sind zwei sich durchdringende Bewegungen.
Im einen steckt auch das andere, sie enthalten sich gegenseitig und gleichzeitig.

Ob ich spreche oder singe, ist nur ein gradueller Unterschied. Graduell in Bezug auf was ?
Im Sprechen ereignen sich komplexe rhythmische und melodische Entwicklungen in kurzer Zeit.
Singen gestattet den Klängen längere Dauern und einen größeren Ambitus. Wie unter einer Lupe
können diese beobachtet und ausgeführt werden.

Jede Verlautbarung wird einerseits durch Bedeutung und andererseits durch Textur und Klang der
Wörter bestimmt. Während Sprechen vor allem durch Bedeutungen genährt wird, führt Singen mit
dem Fokus Tonhöhe,Tondauer und Textur in eine Distanz, eine Öffnung, eine Auflösung, eine
Abstraktion der Bedeutungen.

In colline sur livre gehe ich der Verschränkung dieser Bewegungen nach.

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Speaking and singing are two movements, which are saturating eachother.
(Similar to drawing and painting) one is within and concurrant with the other. There is only a
gradual difference, a slight shift from one to other. What kind of shift is that ?

Speaking assembles complex rhythmical and melodical movements and structures in short time.
Singing allows longer duration and wider compass of these movements. They may be observed and
carried out as under a looking glass.

All announcing is nourished by meaning as well as by texture and sound of words.
While in speaking momentum and impetus mostly root in semantics, singing, through focusing on
pitch, duration and texture, allows distance, opening, dissolution, abstraction from meaning.

In colline sur livre I am tracing the entanglement of those movements in an ongoing process.
Colline sur livre 12.4.2022 (please adjust volume before listening)
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Viele Fragen, Versuche, Erfahrungen und Widerstände
münden in Colline sur livre. Colline sur livre ist ein Journal.
Vor vielen Jahren habe ich es am Dorfrand in den Vogesen zu
schreiben begonnen und setze es seitdem mit fast
täglichen kurzen Notaten fort.

Aus naheliegenden, aufgelesenen, gehörten und erinnerten
Wörtern ist eine Textspur gewachsen, die als eigenständige
Linie zunächst neben meiner musikalischen Arbeit entstand
und nun Teil davon wird.

Ein erster Versuch, einige colline sur livre Notate in eine
musikalische Notation zu bringen, waren anlässlich Antoine
Beugers Geburtstag eine Hand voll notes from the hill (2015).
Kurze Lieder mit wenigen Worten, auf Notenlinien geschriebene
Melodien.

Eine Weile vorher hatte ich versucht zu verstehen, wie Notation
eine musikalische Situation beschreiben und initiieren kann. Im
Umkreisen möglicher Zusammenhänge von Schrift und Klang
war eine Serie Zeichnungen s.o. entstanden.

Weitere Fragmente aus colline sur livre, teilweise ins Englische
übersetzt, sind 2020 als digitale CD two songs and one beim
Londoner Label Takuroku und etwas später physisch als kleine
Privat-Edition erschienen.

Seit 2020 entwickle ich eine Praxis des Sprechens und Singens
von langen Passagen aus colline sur livre. Begleitend
zu dieser Praxis öffne ich hier ein Fenster in diesen Prozess.

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Many records, questions, oppositions and experiments have
been leading into colline sur livre. Colline sur livre is an ongoing
journal, which I began writing many years ago in the Vosges hills
and have been carrying on with these notes there and elsewhere
since then.

Obvious, picked up, found and remembered words have generated
a text, which began as a self-contained parallel track with my musical
work and is now becoming part of and shaping it.

A first attempt to convey a few colline sur livre notes into a musical
notation came about for Antoine Beuger’s birthday (2015) with
some notes from the hill. Short songs with a few words, melodies
written on five lines.

Some time before I had been wondering about notation as describing
and initializing a musical situation. Orbitting correlations and coherences
between script and sound I had done a series of drawings as above.

Some more fragments of colline sur livre, partly translated into english,
were published 2020 in the digital cd release two songs and one with
the London based label Takuroku and somewhat later physically in a
small private-edition.

Since then I am cherishing a practise of speaking and singing from
excerpts of colline sur livre. Along with this practise I am opening
a window here into this ongoing process.
Colline sur livre 2.3.2022 (please adjust volume before listening)